Abschlussbericht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zum dynamischen Naturschutz durch „Natur auf Zeit“ beim Rohstoffabbau
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat den Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben „Natur auf Zeit“ im Mai 2026 vorgestellt. Das Forschungsvorhaben wurde rechtlich von Dr. jur. Steffen Kautz begleitet. Der Bericht dient der fachlichen udn rechtlichen Vorbereitung einer möglichen Rechtsverordnung nach § 54 Abs. 10a BNatSchG und stellt selbst noch keine rechtsverbindliche Regelung dar. Daher können aus dem Bericht momentan noch keine Handlungsempfehlungen für Rohstoffgewinnungsbetriebe folgen.
Die Rohstoffgewinnungsbranche, also beispielsweise die Betriebe, die Sand- und Kies gewinnen, warten auf die Umsetzung des Forschungsberichts in geltendes Recht. Sehr viele Betriebe sehen die Möglichkeiten, die sich dadurch für sie bieten, mehr für den Natur- und Artenschutz in ihren Gewinnungsstätten zu tun, als sehr sinnvoll an. Ihnen ist der Schutz unserer Biodiversität wichtig.
Auch die Flächenagentur Baden-Württemberg, das Planungsbüro Spang Fischer Natschka und der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) haben den Abschlussbericht intensiv mitgestaltet. So ist ein Gemeinschaftsprojekt entstanden, das möglichst viel Natur in den Gewinnungsbetrieben ermöglicht, ohne die Genehmigung zur Rohstoffgewinnung durch nachträglich eingewanderte Arten zu gefährden. Dass es „auf Zeit“ sein soll bedeutet zum einen, dass sobald der Abbau weiter vorwärts rückt, die Arten die Möglichkeit haben sollen, innerhalb derselben Gewinnungsstätte auf andere Flächen auszuweichen. Zum anderen bedeutet es, dass diese Lebensräume auf der Gewinnungsstätte selbst nur vorübergehend vorhanden sind und die entsprechenden Flächen durch die Fortsetzung der Gewinnung oder durch Renaturierung und Rekultivierung wieder in Anspruch genommen werden dürfen. Sie können ihren Zustand dadurch aber insgesamt verbessern, weil sie die Chance haben, sich von dort aus auf weitere Lebensräume auszubreiten. Damit soll insgesamt der Erhaltungszustand der Arten verbessert werden.
Dieser Lebensraum ist deshalb besonders wichtig, weil dort Tiere und Pflanzen vorkommen, die nur durch den Gewinnungsbetrieb überhaupt möglich werden. Beispielsweise benötigen Pionierarten möglichst magere Standorte, die sie mangels Überschwemmungsflächen in Deutschland kaum noch vorfinden. In den Kies- und Sandgruben finden sich solche Standorte und damit auch die selten gewordenen Pionierarten wie beispielsweise das Silbergras. Diese Standorte können gerade durch die Gewinnung geschützt und entwickelt werden. Was aussieht wie Naturzerstörung ist die Schaffung von selten gewordenem Lebensraum.
Der vollständige Abschlussbericht ist hier veröffentlicht: https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/2161/file/Schrift769.pdf.